Dokumentarfilm mit Anita Lasker-Wallfisch und ihrer Tocher sowie dem Sohn und Enkel des Kommandanten des KZs Auschwitz Rudolf Höß
Dienstag, 5. November 2024, 10:00 Uhr für Schüler und Schülerinnen, Abendveranstaltung 18:00 Uhr, Eintritt frei
120 Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 7 bis 10 aus der Pfrimmtal-Realschule Plus, dem Eleonoren-Gymnasium und der Karmeliter-Realschule Plus besuchten mit ihren Lehrerinnen und Lehrern die Filmvorführung am Vormittag. Der Kinosaal war gut gefüllt. Nach dem Film nutzten die jüngsten Schülerinnen und Schüler des Eleonoren-Gymnasiums die Möglichkeit zur Diskussion mit den Lehrern und Lehrerinnen.
Auch die Abendvorführung war gut besucht und alle Besucherinnen und Besucher verließen sichtlich angefasst den Kinosaal.
Nur 17 Tage später wurde den beiden Wormser Überlebenden des KZ Auschwitz Edith und Flora Herz im Rahmen der Stolpersteinverlegung gedacht. Siehe hierzu Bericht zur Stolperstein-Verlegung am 22.11.2024 und Zeitungsartikel von Ulrike Schäfer (Wormser Zeitung 4.10.2024) über die Zusammenarbeit mit der Karmeliter Realschule Plus Worms.

Warner Bros. Pictures und HBO Documentary Films präsentieren die berührende und hochaktuelle Dokumentation „Der Schatten des Kommandanten“ der Filmemacherin Daniela Völker. Der Film erzählt die Geschichte von Rudolf Höß’ 87-jährigem Sohn Hans Jürgen Höss, der sich zum ersten Mal mit dem grausamen Vermächtnis seines Vaters auseinandersetzt. Rudolf Höß war Kommandant des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und verantwortlich für die Ermordung von mehr als einer Million Jüdinnen und Juden. Das Leben von Höß und seiner Familie wurde kürzlich in dem Oscar®-prämierten Film „The Zone of Interest“ dargestellt. Nun berichtet „Der Schatten des Kommandanten“ von den echten Menschen, die in Höß’ Todeslager gelebt haben.
Während Hans Jürgen Höss eine glückliche Kindheit in der Villa seiner Familie in Auschwitz verbrachte, kämpfte die jüdische Gefangene Anita Lasker-Wallfisch in dem berüchtigten Lager ums Überleben. Im Mittelpunkt des Films steht der inspirierende historische Moment, in dem sich die beiden, acht Jahrzehnte später, von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. Es ist das erste Mal, dass ein Nachkomme eines bedeutenden Kriegsverbrechers und eine Überlebende sich in einem so persönlichen und intimen Rahmen begegnen – nämlich in Lasker-Wallfischs Wohnzimmer in London. Gemeinsam mit ihren Kindern, Kai Höss und Maya Lasker-Wallfisch, beschäftigen sich die vier Protagonisten mit den sehr unterschiedlichen Lasten, die sie aufgrund ihrer Herkunft tragen.
Der Film präsentiert Originalauszüge aus Rudolf Höß’ lange vergessener Autobiografie, die er kurz vor seiner Hinrichtung verfasste. Die darin enthaltenen Aussagen, dokumentiert durch den Täter persönlich, sind der ultimative Beweis dafür, was wirklich in Auschwitz geschah. Sie bilden somit ein bedeutsames Gegengewicht zur Leugnung und Ignoranz der Geschehnisse des Holocaust.
Der außergewöhnliche abendfüllende Dokumentarfilm beschäftigt sich mit der Beziehung einer Mutter zu ihrer Tochter, eines Vaters zu seinem Sohn und nicht zuletzt mit den langen Schatten, die Verbrechen auf nachfolgende Generationen werfen. Dabei wirft „Der Schatten des Kommandanten“ Fragen über Liebe, Schuld und Vergebung auf, erzählt letztlich aber auch eine dringend benötigte Geschichte von Hoffnung, Akzeptanz und Mitgefühl.
Nach den Gräueltaten im Zuge des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 – und in einer Zeit, in der der Antisemitismus ein Ausmaß erreicht hat, das es seit dem Holocaust nicht mehr gegeben hat – erinnert „Der Schatten des Kommandanten“ eindringlich daran, dass es keine Versöhnung geben kann, wenn die Vergangenheit nicht ehrlich aufgearbeitet wird. Erst wenn das gelingt, lässt sich eine Wiederholung der Geschichte vermeiden und damit eine bessere Zukunft gestalten.
„Der Schatten des Kommandanten“ wurde von Daniela Völker geschrieben, inszeniert und gemeinsam mit Gloria Abramoff produziert. Wendy Robbins, Neil Blair, Jonathan Blair, Matti Leshem, Joel Greenberg, Len Blavatnik, Danny Cohen, Sajan Raj Kurup, Jani Guest und Jamie Jessop waren als ausführende Produzenten an dem Filmprojekt beteiligt.
Zu Völkers Kreativteam gehörten die Kameraleute Rob Goldie und Piotr Trela, die Editorin Claire Guillon und der Musikkomponist Gabriel Chwojnik.
Warner Bros. Pictures präsentiert gemeinsam mit HBO Documentary Films eine Produktion von Snowstorm/Creators Inc. in Zusammenarbeit mit New Mandate Films: „Der Schatten des Kommandanten“ von Daniela Völker. Den Kinovertrieb übernimmt Warner Bros. Pictures.
Über die Beteiligten
Anita Lasker-Wallfisch kam 1925 in Breslau als Tochter einer jüdischen Familie auf die Welt. 1943 wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie Mitglied des Mädchenorchesters wurde. Als die Rote Armee anrückte, wurde sie nach Bergen-Belsen gebracht und im April 1945 von britischen Truppen befreit. Im folgenden Jahr zog Anita Lasker-Wallfisch nach London. Dort begann sie eine Karriere als Cellistin
und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des English Chamber Orchestra. 1995 veröffentlichte sie ein Buch über ihre Erfahrungen im Nationalsozialismus. Sie engagiert sich als Aktivistin gegen Antisemitismus und für die Aufklärung über den Holocaust.
Maya Lasker-Wallfisch ist das jüngste Kind und die einzige Tochter von Anita Lasker-Wallfisch. Sie wuchs in London auf und schlug eine Laufbahn als Psychotherapeutin mit Spezialisierung auf Traumata ein. Als Tochter einer Holocaust-Überlebenden begann sie, sich mit den Herausforderungen zu beschäftigen, mit denen sich die zweite Generation konfrontiert sieht. In zwei Büchern, die in Deutschland erschienen sind, erzählt sie von ihrer Familiengeschichte und wie diese sie beeinflusst hat. 2021 zog Maya Lasker-Wallfisch nach Berlin, wo sie sich in der Holocaust-Aufklärung engagiert und damit das Werk ihrer Mutter fortsetzt.
Hans Jürgen Höss wurde 1937 als viertes von fünf Kindern in Dachau geboren. Im Alter von drei bis sieben Jahren lebte er in einer Villa direkt neben dem Konzentrationslager Auschwitz, in dem sein Vater Kommandant war. Später zog seine Familie in das Konzentrationslager Ravensbrück um. Als die Rote Armee anrückte, floh die Familie nach Norddeutschland, wo Hans Jürgen Höss den Rest seiner Kindheit und seine Jugend verbrachte. Danach ging er nach Süddeutschland und arbeitete bis zu seiner Pensionierung für Auto- und Lkw-Händler. Er interessiert sich noch immer für Autos.
Kai Höss, Hans Jürgen Höss’ ältestes Kind, wuchs in Süddeutschland auf. Nach der Schule verpflichtete er sich bei der Bundeswehr, bei der er eine Ausbildung im Hotel- und Gastronomiebereich absolvierte. Er wohnte in Großbritannien, Asien und den USA, ehe er nach Deutschland zurückkehrte. Hier lebt er heute mit seiner indonesischen Frau und seinen vier Kindern. Er ist Pastor einer englischsprachigen Bibelgemeinde, die sich an Angestellte von US-Militärbasen und andere Auswanderer wendet. Außerdem absolvierte er einen Masterstudiengang.
Über die Filmemacherin
Die in London ansässige deutsch-argentinische Filmemacherin Daniela Völker hat Dokumentationen im Serien- und Langfilmformat, unter anderem für Netflix, CNN, PBS, BBC, National Geographic, ITV, ZDF und France Télévisions, gedreht. Ihre Werke befassen sich mit unterschiedlichen Themen, darunter die Herausforderungen des gesellschaftlichen Miteinanders nach dem Völkermord in Ruanda oder die verheerenden Auswirkungen des „Schmutzigen Krieges“ während der Militärdiktatur in Argentinien in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Völker begann 2020 mit der Arbeit an der Dokumentation, als sie mit Maya Lasker-Wallfisch über deren Erfahrungen mit generationenübergreifenden Traumata als Tochter einer Holocaust-Überlebenden ins Gespräch kam.
