
Foto: Inga May
Als am 22.11.2024 in Worms für Familie Siegmund, Eugenie und Werner May in Worms vor der Siegfriedstraße 40 (Ecke Renzstraße) Stolpersteine verlegt wurden, konnten die Nachfahren leider nicht anwesend sein.
Fast ein Jahr später jedoch kamen Werner Mays Tochter Silvia und Sohn Roberto mit ihren Familien im September 2025 aus Brasilien nach Worms. Anlass für die Einladung war ein Besuch in Osthofen, wo Familie Mays Vorfahren über mehrere Generationen gelebt hatte.
Inga May hat die Familie im Namen von Warmaisa e.V. empfangen und durch Osthofen und Worms geführt.
Hier ein Artikel aus dem Amtsblatt 41/2025 der Verbandsgemeinde Wonnegau zum Besuch der Familie May:
„Ein Glücksfall für Osthofen und Familie May aus Brasilien: Zur Stolperstein-Verlegung für ihre Vorfahren konnten sie 2024 nicht nach Worms kommen, aber jetzt passte Ihr Besuch zur Osthofener Verlegung am 8.9. Und mit Osthofen verbindet Familie May aus Brasilien sehr viel: Roberto und Silvia Mays Urgroßvater Samuel May kam um 1875 nach Osthofen und gründete im Dorfgraben eine Weinhandlung; die Söhne Ludwig, Max und Siegfried „siedelten aus“ und betrieben über 40 Jahre die Weinhandlung, Dampfbrennerei und Likörfabrik S. MAY & SÖHNE „Hauptstraße 128“.
Siegfrieds Sohn Werner verbrachte dort seine ersten Lebensjahre; dessen Kinder Roberto und Silvia waren glücklich und tief berührt, als die heutige Eigentümerin sie einlud, sich im Garten und im Haus umzuschauen. Sie hatten ein Foto dabei: ihr Vater als Kind „am Steuer“ eines Cabriolets dort in der Hofeinfahrt.
1929 zog die Familie nach Worms in die Siegfriedstraße. Die Villa wurde im Krieg zerstört und die Ruine abgerissen. Die Stolpersteine für Siegfried, Eugenie und Werner hat die Familie nun dort besucht. Für Werner war der Weg zur Oberrealschule damals ganz kurz. Aber schon 1936 schickten ihn die Eltern zum Onkel nach Brüssel, um überhaupt noch Unterricht zu haben, was hier für Juden kaum noch möglich war.
Die Inhaber von S. MAY & SÖHNE gerieten ins Visier der Nazis. Siegfried und Ludwig wurden mehrfach inhaftiert, 1938/39 saß Siegfried in Buchenwald ein. Ihre Häuser in Worms und Osthofen mussten sie verkaufen; S. MAY & SÖHNE war passé. Siegfried, Eugenie und Werner gelang die Flucht nach Südamerika. Werner wurde dort 101 Jahre alt. Max May und seine Familie wurden ermordet.
Auf dem jüdischen Friedhof spannten Silvia, Roberto und deren Verwandte den Familienbogen über 5 Generationen und 180 Jahre.“
(Hier ist der jüdische Friedhof Osthofen gemeint.)
